Anwaltsregress
Wie läuft eine Bestandsprüfung für Versicherer ab?
Systematische Prüfung abgeschlossener Rechtsschutzfälle auf nach § 86 VVG übergegangene Regressansprüche — mit eigener Software.
Kurz gesagt
Bei einer Bestandsprüfung werden abgeschlossene Rechtsschutzfälle systematisch daraufhin untersucht, ob der Verfahrensverlust auf einem Anwaltsfehler beruht und damit ein nach § 86 VVG übergegangener Regressanspruch besteht. Die Prüfung erfolgt softwaregestützt über den Bestand, nicht als Einzelfallsichtung.
- Stand
- Verantwortlich
Tim PlatnerJurist & Chief Operating Officer (COO), Geschäftsführer Legal Data Technology GmbH- Fachlich zuständig
Jan SchlingmannRechtsanwalt & Geschäftsführer
Diese Frage richtet sich an Rechtsschutzversicherer und ihre Regressabteilungen, nicht an Privatpersonen.
Der Ausgangspunkt
Ein Rechtsschutzversicherer trägt die Kosten von Verfahren, die er nicht führt. Geht ein Verfahren verloren, weil der beauftragte Anwalt einen Fehler gemacht hat, entsteht ein Schaden — und in Höhe der geleisteten Zahlungen geht der Anspruch nach § 86 VVG auf den Versicherer über.
Diese Ansprüche werden im Regelfall nicht bemerkt: Die Akte ist geschlossen, das Verfahren gilt als verloren, die Kostenlast als endgültig. Und dann verjähren sie.
Der Ablauf
1. Bestandssichtung. Auswertung abgeschlossener Rechtsschutzfälle auf typische Fehlermuster:
| Muster | Anknüpfungspunkt |
|---|---|
| Klageabweisung wegen Verjährung | war die Frist erkennbar und vermeidbar? |
| Abweisung wegen fehlender Passivlegitimation | wurde der Falsche verklagt? |
| Versäumte Rechtsmittelfrist | war ein Rechtsmittel aussichtsreich? |
| Fehlende Belehrung über sinkende Erfolgsaussichten | BGH-Rechtsprechung |
| Vergleich ohne Aufklärung | war die Zustimmung informiert? |
| Kostenlast trotz obsiegender Position | Kostenschaden |
2. Priorisierung. Nach Anspruchshöhe, Verjährungsnähe und Beweislage — softwaregestützt, damit der Bestand in der Breite bearbeitbar bleibt.
3. Rechtliche Prüfung der priorisierten Fälle: Pflichtverletzung, Kausalität, Schaden. Diese Bewertung bleibt anwaltlich; die Software wählt aus, sie entscheidet nicht.
4. Durchsetzung, bei Bedarf klageweise.
Warum die Skalierung entscheidend ist
Einzelfallprüfung lohnt bei diesen Beträgen selten. Erst die systematische Auswertung über den Bestand macht die Ansprüche wirtschaftlich zugänglich — dafür ist die Plattform gebaut, auf der die Kanzlei arbeitet.
Die vollständige Leistungsbeschreibung, einschließlich Zusammenarbeitsmodell und Schnittstellen, steht unter Anwaltsregress für Versicherer.
Kurz beantwortet
Weil Rechtsschutzversicherer Kosten für Verfahren tragen, die aus anwaltlichen Fehlern verloren gingen — diese Kosten sind nach § 86 VVG übergegangene Ansprüche gegen die Berufshaftpflicht. Ohne systematische Prüfung bleiben sie unerkannt und verjähren.
Über Muster im Aktenbestand — Klageabweisungen wegen Verjährung, Fristversäumnisse, Passivlegitimation, unterbliebene Belehrungen. Die Software priorisiert, die rechtliche Bewertung bleibt anwaltlich.
Die Verarbeitung erfolgt auf Grundlage der Anspruchsverfolgung und findet auf eigener Infrastruktur in Deutschland statt. Vertragliche Grundlagen und technisch-organisatorische Maßnahmen werden vor Beginn geklärt.
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