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VINQO Rechtsanwälte

Personenschaden & Schmerzensgeld

Was bedeutet Mitverschulden für meinen Anspruch?

Es kürzt jede Schadensposition um eine Quote — auch das Schmerzensgeld und die Anwaltskosten.

Kurz gesagt

Mitverschulden führt nicht zum Verlust des Anspruchs, sondern zu einer Quote: Bei 30 Prozent Mitverschulden erhalten Sie 70 Prozent jeder Schadensposition — Schmerzensgeld, materielle Schäden und Rechtsverfolgungskosten gleichermaßen. Ob und in welcher Höhe ein Mitverschulden besteht, muss die Gegenseite beweisen.

Stand
Verantwortlich
Laura HoverRechtsanwältin
Fachlich zuständig
Jan SchlingmannRechtsanwalt & Geschäftsführer

Wie eine Quote wirkt

Volle Haftung der Gegenseite

Quote
100 %
Schaden
10.000 €
Ersatz
10.000 €

30 % Mitverschulden angerechnet

Quote
70 %
Schaden
10.000 €
Ersatz
7.000 €

Die Quote wirkt auf jede Schadensposition — auch auf das Schmerzensgeld und die Rechtsverfolgungskosten.

Mitverschulden ist das Standardargument jeder Versicherung, weil es wirtschaftlich effizient ist: Eine Quote von 30 Prozent kostet die Versicherung nichts außer einem Satz im Ablehnungsschreiben — und spart 30 Prozent.

Wie es rechnerisch wirkt

Bei einer Quote von 70 zu 30 zu Ihren Gunsten:

Position Voller Anspruch Bei 70 %
Schmerzensgeld 8.000 € 5.600 €
Behandlungskosten 1.200 € 840 €
Verdienstausfall 3.000 € 2.100 €
Haushaltsführungsschaden 2.500 € 1.750 €
Summe 14.700 € 10.290 €

Die Quote wirkt auf alles, auch auf die erstattungsfähigen Anwaltskosten. Sie ist damit die wirtschaftlich folgenreichste Einzelfrage in vielen Personenschadensfällen.

Typische Quoten beim Hundebiss

Situation Übliche Größenordnung
Sie führten einen eigenen Hund, es kam zur Rangelei rund 50 % Mithaftung
Sie griffen im Bereich der Schnauze in eine Rauferei Alleinhaftung möglich
Sie griffen anderweitig ein, etwa durch Wegziehen rund 50 % Mithaftung
Als Radfahrer zu dicht und ohne Klingeln vorbeigefahren 30 – 50 % Mithaftung

Das sind Erfahrungswerte, keine Rechenregeln — es kommt auf den konkreten Ablauf an. In der Praxis werden solche Quoten von der Gegenseite regelmäßig zu hoch angesetzt, weshalb dazu erwidert werden muss. Was der Halter seiner Tierhalterhaftpflicht geschildert hat, prägt die erste Bewertung oft stärker als der tatsächliche Hergang.

Für Radfahrer gelten eigene Konstellationen: Welche Mithaftung droht mir als Radfahrer?

Was tatsächlich Mitverschulden ist

Nach § 254 BGB: ein Verhalten, das den Schaden mitverursacht hat und das ein verständiger Mensch in eigener Sache vermieden hätte. Beispiele, die anerkannt werden:

  • bewusstes Aufsuchen einer erkennbaren Gefahr
  • Nichtanlegen des Sicherheitsgurts
  • Verstoß gegen eine Verkehrsregel, der zum Unfall beigetragen hat
  • Verstoß gegen die Schadensminderungspflicht — etwa Behandlung abbrechen

Was häufig behauptet, aber nicht anerkannt ist

  • „Sie hätten den Hund nicht anfassen dürfen“ ohne konkrete Gefahrenlage
  • Fehlender Fahrradhelm als solcher (BGH)
  • „Sie hätten ausweichen können“ ohne Nachweis einer realistischen Möglichkeit
  • Vorschäden, ohne dass ihr Einfluss auf den konkreten Schaden dargelegt wird

Der praktische Punkt

Die Gegenseite trägt die Beweislast. Ein Ablehnungsschreiben mit pauschaler Quote ist ein Angebot, keine Feststellung — und der häufigste Punkt, an dem sich außergerichtlich noch etwas bewegt.

Kurz beantwortet

Die Gegenseite. Ein pauschal behauptetes Mitverschulden ohne Beleg trägt nicht — häufig steht es dennoch im ersten Ablehnungsschreiben.

Nicht automatisch. Es kommt darauf an, ob Sie sich bewusst einer erkennbaren Gefahr ausgesetzt haben. Ein Streicheln nach Erlaubnis des Halters ist etwas anderes als ein Griff zu einem sichtbar aggressiven Tier.

Für Radfahrer besteht nach der Rechtsprechung des BGH grundsätzlich keine Helmpflicht mit Mitverschuldensfolge. Bei besonderen Risikosituationen wird das teils anders beurteilt — es ist eine Einzelfallfrage.

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Schlagworte

  • Mitverschulden
  • Quote
  • Schadensersatz

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