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Verkehrsunfall

Wertminderung eines Fahrzeuges nach einem Verkehrsunfall

Nach einem Autounfall gibt es eine Vielzahl von Schadensersatzansprüchen, die gegen den Unfallverursacher / seine Haftpflichtversicherung entstehen könne.

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Von Tim Platner, Jurist & Chief Operating Officer (COO), Geschäftsführer Legal Data Technology GmbH

Aktualisiert am

Fachlich geprüft von Jan Schlingmann am

4.89 · 590 Bewertungen bei ProvenExpert

Nach einem Autounfall gibt es eine Vielzahl von Schadensersatzansprüchen, die gegen den Unfallverursacher / seine Haftpflichtversicherung entstehen könne. Dazu gehört unter anderem auch die Schadensposition der Wertminderung des Wagens. Doch was genau versteht man unter Wertminderung?

Was ist eine Wertminderung bei einem Fahrzeug?

Selbst wenn man den besten Automechaniker der Welt nach einem Verkehrsunfall mit der Reparatur des eigenen Wagens beauftragen könnte, er könnte nichts daran ändern, dass der Wagen später als Unfallwagen schwerer verkäuflich ist, als ein Wagen ohne Unfallhistorie.

Wird ein Unfallwagen als unfallfrei verkauft, kann der Vertrag unter Umständen angefochten werden oder der Käufer tritt später von dem Vertrag zurück und verlangt Schadensersatz. Tatsächlich kann sogar der Tatbestand des Betruges erfüllt sein, wenn ein Unfallwagen fälschlicherweise wissentlich oder „ins Blaue hinein“ als unfallfrei deklariert wird.

Deshalb ist auch nach einer Reparatur Ihr Fahrzeug unfallbedingt weniger Wert als vor dem Unfall vor. Darum gehört die hieraus stammende merkantile Wertminderung auch zum materiellen Schadensersatzanspruch, welche nach einem Autounfall verlangt werden können. Das Auto ist trotz Reparatur weniger Wert als ein vergleichbarer unfallfreier Wagen. Dieser Erkenntnis hilft Ihnen aber nur bedingt weiter: denn ob Sie in Ihrem Fall auch tatsächlich Anspruch auf einen merkantilen Minderwert haben und wie hoch dieser Anspruch am Ende sein wird, muss gutachterlich ermittelt werden.

Schlussendlich muss auch differenziert betrachtet werden, wem die Ansprüche aus Wertminderung zustehen. Hierbei gibt es Unterschiede, je nachdem ob der Wagen geleast oder gekauft wurde.

Wann liegt nach einem Unfall keine Wertminderung vor?

In Ausnahmefällen kommt es trotz Unfall zu keiner merkantilen Wertminderung des Wagens. Dies ist der Fall, wenn durch den Verkehrsunfall nur kleine Bagatellschäden entstanden sind, wodurch der Wagen nicht als Unfallwagen klassifiziert wird. Wurde zum Beispiel bei einem Fahrradunfall nur ein bisschen „am Lack gekratzt“, muss der Wagen bei einem Weiterkauf nicht als Unfallwagen deklariert werden, sodass Ihnen insoweit kein Schaden entsteht. Die Rechtsprechung geht davon aus, dass ein Unfall zu der Bezeichnung „Unfallwagen“ führt, wenn ein Blechschaden entstanden ist, beispielsweise eine Verbeulung. Dabei ist unerheblich, ob dieser Schaden durch eine Reparatur nicht mehr erkennbar ist, oder mit geringem Aufwand repariert wurde.

Versicherer lehnen eine merkantile Wertminderung gerne mit dem Argument ab, das Fahrzeug sei älter als fünf Jahre oder habe bereits mehr als 100.000 Kilometer gefahren. Eine feste Altersgrenze, ab der überhaupt kein Anspruch mehr besteht, gibt es dafür jedoch nicht: Das OLG Düsseldorf hat einen merkantilen Minderwert selbst bei einem über fünf Jahre alten Fahrzeug mit fast 140.000 Kilometern Laufleistung als ersatzfähig anerkannt (Urteil vom 17.11.1986 – 1 U 229/85) – mit der zutreffenden Begründung, dass sich die Lebensdauer moderner Fahrzeuge erheblich verlängert hat und eine pauschale Grenze nach Alter oder Laufleistung deshalb nicht sachgerecht ist. Mit dem Alter sinkt zwar die Höhe der Wertminderung, nicht aber automatisch der Anspruch selbst.

Wie wird die Wertminderung eines Fahrzeuges errechnet?

Für die Errechnung der Wertminderung gibt es grundsätzlich verschiedene mathematische Formeln, mithilfe derer der merkantile Minderwert ermitteln werden kann. Hierzu gehören verschiedene mathematische Modelle, wie zum Beispiel die Methode

  • „Ruhkopf / Sahm“ (welche tabellarisch vorgeht) oder
  • die Methode „Halbgewachs“ (welche viele Faktoren miteinander verbindet).

Faktoren können das Alter des Wagens, seine Laufleistung, aber auch Vorschäden und Anzahl der Vorbesitzer sein. Hiermit werden dann die Kosten der Reparatur mathematisch in Verbindung gebracht. Insbesondere bei Neuwagen wird daher der merkantile Minderwert besonders hoch ausfallen. Somit hängt es immer vom Einzelfall ab, wie hoch die errechnete Wertminderung ausfällt.

So funktioniert die Methode „Ruhkopf/Sahm“ konkret: Aus Zulassungsjahr und dem Verhältnis von Reparaturkosten zu Wiederbeschaffungswert ergibt sich ein tabellierter Faktor, der auf die Summe aus beiden Werten angewendet wird. Beispiel: Reparaturkosten 10.000 €, Wiederbeschaffungswert 40.000 €, Fahrzeug drei Jahre alt, tabellierter Faktor 3:

3/100 × (10.000 € + 40.000 €) = 1.500 € merkantiler Minderwert

Weil diese schematische Ermittlung nicht immer den tatsächlichen Marktwertverlust trifft, lassen Gerichte auch andere Methoden zu – teils wird stattdessen mit einer Faustregel von rund 5 % der Summe aus Wiederbeschaffungswert und Reparaturkosten gerechnet, teils schätzen Gerichte ganz ohne festes Modell nach § 287 ZPO unter Würdigung aller Umstände des Einzelfalls. Das OLG Frankfurt am Main hat entschieden, dass einer fundiert begründeten Einzelfallschätzung durch einen Kfz-Sachverständigen gegenüber starren tabellarischen Berechnungsmethoden der Vorzug zu geben ist (Urteil vom 21.04.2016 – 7 U 34/15).

Die mathematische Berechnung kann zwar durchaus verzwickt sein, die gute Nachricht ist: Die Wertminderung wird durch einen Sachverständigen nach einem Unfall ohnehin ermittelt, sodass Sie sich um die Wahl der Methode nicht selbst kümmern müssen. Die merkantile Wertminderung ist Teil des Gutachtens hinsichtlich der Schadenshöhe, die von einem Sachverständigen errechnet wird.

Kennen Sie den Unterschied zwischen Kostenvoranschlag und Gutachten? Erfahren Sie in diesem Beitrag mehr zu diesem Thema!

Wie macht man die Wertminderung nach einem Unfall geltend?

Wurde die Wertminderung durch den Gutachter festgestellt oder selber errechnet, kann sie als Teil des materiellen Schadensersatzes gegen die Gegenseite, bzw. die gegnerische Versicherung geltend gemacht werden. Das Gutachten kann in solchen Fällen direkt bei der gegnerischen Versicherung eingereicht werden.

Wer bekommt die Wertminderung?

Wer schlussendlich die Wertminderung als Schaden ausgezahlt bekommt, bestimmt sich nach dem Eigentum am beschädigten Fahrzeug. Demnach ist zu differenzieren, ob Sie Eigentümer waren oder ob der Wagen durch Leasing finanziert wird.

Eigentümer

Wenn der Wagen gekauft wurde, steht Ihnen als Eigentümer der Ersatz der merkantilen Wertminderung zu. In diesem Fall stellen sich keine weiteren Probleme.

Leasing

Beim Leasing kann es durchaus problematischer werden: Der Leasingnehmer ist nämlich nicht Eigentümer des Wagens, sondern der Leasinggeber. In manchen Fällen wird zwar dem Leasingnehmer der Schadensersatz aus der merkantilen Wertminderung ausgezahlt, diese steht aber grundsätzlich dem Leasinggeber zu. Wurde der Unfall selber verursacht (handelt es sich also um einen Kaskoschaden), kann der Leasinggeber bei Rückgabe des Wagens einen Ausgleich der Wertminderung durch den Leasingnehmer verlangen.

Wertminderung bei fiktiver Abrechnung nach einem Unfall

Bei einem Verkehrsunfall besteht in manchen Fällen die Möglichkeit, anstelle der Reparatur den Wagen im beschädigten Zustand weiterzufahren, und trotzdem die Reparaturkosten als Schadensersatz geltend zu machen (Sog. fiktive Abrechnung). Fraglich ist dann, ob auch hier die merkantile Wertminderung als Schaden geltend gemacht werden kann. Denn die merkantile Wertminderung richtet sich ja eigentlich danach, dass ein reparierter Wagen nach einem Unfall weniger Wert ist. Die Rechtsprechung geht hingegen davon aus, dass ein merkantiler Minderwert auch innerhalb der fiktiven Abrechnung einen durchsetzbaren Anspruch begründet (LG Memmingen, Endurteil v. 08.01.2019 – 33 O 1276/17; ebenso LG Regensburg, Urteil v. 26.02.2019 – 22 S 90/18). Das ist keine neue Entwicklung: Schon der BGH hat 1961 klargestellt, dass die Entscheidung, den Wagen weiter zu nutzen statt ihn zu verkaufen, den Schädiger nicht entlastet – wer sich mit einem Wagen begnügt, der laut allgemeiner Verkehrsauffassung weniger wert ist als ein unfallfreier, erleidet den Schaden trotzdem (BGH, Urteil v. 03.10.1961 – VI ZR 238/60).

Für Unfallgeschädigte

Verkehrsunfall

Nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall zahlt die gegnerische Versicherung selten alles, was Ihnen zusteht. Wir setzen jede Position durch – von der Reparatur bis zum Schmerzensgeld.

Ansprechpartner für dieses Thema

Laura Hover

Rechtsanwältin

  • Verkehrsrecht
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  • Hundebiss
  • Prozessführung / Litigation
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung im Einzelfall dar.